Felix in Istanbul
Montag, 21. Januar 2008
Die Unfreiheit Atatürk zu beleidigen
Mein Mitbewohner hat mich soeben darauf hingewiesen, dass er YouTube nicht mehr empfangen kann. Ein paar Minuten später hatte er auch den Grund herausgefunden: Dort wurde mal wieder Atatürk beleidigt. Das ist in der Türkei verboten, womit es der Türkischen Justiz obliegt, ein Portal wo dergleichen das Türkentum Beleidigendes verbreitet wird, zu sanktionieren - in diesem Fall durch landesweite Sperrung des Portals. (Für nähere Informationen verweise ich auf http://www.readers-edition.de/2008/01/21/tuerkei-youtube-wieder-einmal-nicht-erreichbar/ und http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,506505,00.html)

Was ist daran so bemerkenswert? Auch in Deutschland wird die Verunglimpfung des Staatsoberhauptes bestraft (vgl. §90StGB). Wer Horst Köhler etwa mit Adolf Hitler gleichsetzte, müsste wohl mit Strafverfolgung rechnen. Nun nehmen wir an er publiziere seine diesbezüglichen Ansichten über ein öffentlich zugängliches Portal wie YouTube. Es wäre undenklich, dass die Strafverfolgung ihrer Aufgabe nachginge, indem sie verfügte, das Medium via dem der Straftäter seine Meinung publiziert zu schließen. Sie würde sich auf die Verfolgung des Straftäters richten.

Mein zentraler Kritikpunkte ist der Folgende:
Den Zugang zu YouTube zu sperren, ist nicht verhältnismäßig. Die Medien- und Informationsfreiheit einzuschränken bedarf einer besonderen Rechtfertigung. Vom liberalen Standpunkt aus würde ich argumentieren, eine solche Einschränkung ist dann zulässig, wenn der betroffene Akteur, i.d.F. YouTube, die Freiheit der Türkischen Bürger in einem besonderen Maße einschränkt - etwa weil die Nationale Souveränität durch dessen Aktivitäten in Frage gestellt wäre. Nun frage ich: wie weit kann es mit der türkischen nationalstaatlichen Souveränität her sein, wenn sie sich durch niveaulose Beschimpfungen des Gründungsvaters der türkischen Republik in Frage gestellt sieht? Die Hysterische Reaktion, YouTube zu sperren, belegt viel mehr in welcher Enge diejenigen Kräfte der Türkei stehen, die das Informationsmonopol über die republikanische Geschichte der Türkei seitens des Staates wahren wollen. Meiner Meinung nach ist diese Episode am besten innerhalb der größeren Erzählung über den Versuch der "Republikaner" und Kemalisten, ihre jahrzehntelang bestehende Dominanz des türkischen politischen Systems aufrecht zu erhalten. Wenn dieser Kampf sich allerdings gegen gegen den zunehmend anarchistischer werdenden Informationsfluss des Web2.0 richten muss,
stehen die Chancen schlecht für die Republikaner: Kein demokratisch verfasster Staat ist heute in der Lage den webbasierten Informationsfluss wesentlich zu kontrollieren. Wenn die Kemalisten ihr Machtmonopol wahren wollen, dann nur auf Kosten der Demokratie. Um die Türkei aber vom Kurs der Demokratie abzubringen, dafür dürfte ihre Dominanz schon zu weit geschwunden sein. Wünschen wir ihnen (und der Türkei) deshalb, dass sie sich mit dem Pluralismus abfinden!

P.S. Ich möchte betonen, dass ich die über YouTube verbreiteten Beleidigungen Atatürks als niveaulos ablehne.

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Montag, 1. Oktober 2007
Neue Bilder Online
İch hab eın paar Urlaubsbılder hochgeladen.

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GREEN BEACH
Im aussersten Südwesten der Türkei gibt es einen Ort namens Datça, an den in jedem Sommer tausende Türken nur aus einem Grund pilgern: eine grüne Wiese. Vielleicht muss ich als zusaetzliche İnformation dazu erwaehnen, dass es ım Süden der Türkei seit sechs Monaten nıcht mehr geregnet hat. Entsprechend ist die dominıerende Farbe in der Landschaft: braun. Ein paar Pinien- und Zedernbaeume gibt es, klar, aber keine Grünflaechen wie der Mitteleuropaeer sie kennt. An eben diesem Strand haben wir für ein paar Tage übernachtet und sind hinter das Geheimnis dieses satten Grüns gekommen. Besser gesagt, wır kennen nun den Preis, den grüner Rasen im subtropischen Sommer erfordert: Wasser, viel Wasser. Und die Leidenschaft eines Türken, der deutschen Rasen erlebt und ihn zu seiner Passion erhoben hat. Letzterer findet seine Aufgabe, sobald die ersten Schatten auf die Wiese fallen. Dann werden dıe Rasensprenger angestellt, die im übrigen die naechsten sechs bıs acht Stunden laufen werden. Dann naesst er jeden Halm, den die Sprenger nıcht ausreichend bedienen mit dem Gartenschlauch. Eines Abends sassen wır vor unserem Blockhaus und betrachteten dieses eındrucksvolle Schauspiel. Die Rasenflaeche glich inzwischen einem Moor. Uns naeherte sich der Türke mit seinem Gartenschlauch. Nach ein paar Vorstellungsworten unserer- und seinerseits (er wusste nun, dass wir Deutsche waren, wir, dass er gern nach Deutschland in die Ferien faehrt) fragte er erwartungsvollen Blickes: „Und? Ist es wie in Deutschland?“ Und wir sparten uns, darauf hinzuweisen, das selbst in Deutschland dermaßen grüne Wiesen im Sommer kaum zu finden sind und dass niemand auf die Idee käme, den Rasen solange zu wässern, bis man ihn nicht mehr ohne zu versinken bertreten kann. Wir sagten einfach nur: „Ja. Wie in Deutschland.“ Und mit glücklichem Blick nahm er seine Bewässerungsarbeit wieder auf. Und ich bın um eine Geschichte reicher.

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Dienstag, 28. August 2007
Erste Worte aus Istanbul
Hallo Freunde!

Hier eine erste Nachricht aus Istanbul. Bin seit Donnerstagabend hier in Istanbul und inzwischen schon ein bisschen angekommen, zumindest in unserer Wohnung. Die ist ziemlich großartig. Nach 3 Seiten befenstert und somit eine Rundumsicht auf die umliegenden Straßen (incl. über die Straße gespannten Wäscheleinen, einem türkischem Bad (Hamam) gleich nebenan, Esels- oder von Menschen gezogenen Karren.....) und (WOW!) das Goldene Horn (Haliç). Außerdem haben wir noch ein zu unserer Wohnung gehöriges Dachgeschoss, noch unerschlossen und verstaubt, demnächst unser Mansardenzimmer, in dem wir nach langen, anstrengenden Tagen unseren Rakı zu uns nehmen, den Blick über das nahe Wasser schweifen lassen und über die Welt und das Leben an sich philosophieren werden. (Mal schaun was aus unserem Renovierungsprojekt wird...)
Ansonsten ist es sehr beeindruckend hier. Genauer gesagt kann man sich vor Eindrücken kaum retten. Unter den Gestank der offenen Müllcontainer mischen sich immer wieder Gerüche exotischer Gewürze oder Wasserpfeifenrauch. Die Menschen sind so unterschiedlich wie Tag und Nacht: anatolische Schnautzbartträger, die in ausschließlich von Männern besuchten Çay-Lokalen beisammensitzen und jugendliche Zuhältertypen, alte Frauen, die, schwarz verhüllt, in Gruppen am Halıç sitzen und Tee aus Termoskannen trinken, während schwule Päärchen am Ufer entlang spazieren (ECHT! Eins haben wir zumindest gesehen.) und dann die Frauen, die in keiner anderen europäischen Großstadt auffallen würden, nur hier, weil sie nicht verhüllt sind.
Soviel bisher. Bis dann.

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